Als erster deutscher Medienkonzern hat Axel Springer einen Exklusiv-Deal mit dem KI-Anbieter OpenAI abgeschlossen. Welche Auswirkungen hat das auf die Antworten des Chatbots? […]
Auf die Frage, welche Medien es meidet, nennt es solche, die „stark parteiisch oder ideologisch” sind („RT Deutsch“, „Compact Magazin“), die „regelmäßig Falschinformationen verbreiten” („Epoch Times”), die „kein klares Redaktionsprinzip haben” („Bild” oder „Daily Mail”), und „unseriöse Clickbait-Strategien nutzen”. Das ist schon mal bemerkenswert: ChatGPT meidet also nach eigener Auskunft die „Bild” als Quelle, obwohl Springer einen Deal mit OpenAI hat. […]
Das klingt nach einer klaren Haltung: Nur so viel „Bild“ wie nötig – und so wenig „Bild“ wie möglich. Aber wer mit ChatGPT arbeitet, weiß natürlich: Was das Modell sagt und was es macht, das ist nicht immer identisch. […]
Die Auswirkung der Partnerschaft zeigt sich zudem an einer anderen Stelle ziemlich deutlich. Denn vor allem bei aktuellen Themen bietet ChatGPT derzeit unter seinen Antworten jeweils drei weiterführende Links zur Vertiefung an. In unserem Test waren dort ausschließlich Artikel von Springer-Medien verlinkt. Oft waren das Meinungsbeiträge […]
Die Auswirkungen solcher Deals auf den Journalismus dürften tiefgreifend sein. Allerdings wird es dabei womöglich weniger um inhaltliche Biases in den Antworten der KI gehen – daran dürften auch die Tech-Konzerne wenig Interesse haben. Vielmehr stellt sich die Frage, wessen Inhalte künftig überhaupt noch wahrgenommen werden und wer damit Geld verdienen kann.
Juliane Lischka, Professorin für Journalistik an der Universität Hamburg, befürchtet, dass kleine und unabhängigen Medien langfristig benachteiligt werden
Lukas Homrich, uebermedien.de, 01.04.2025 (online)