Zitiert: Wohin sich die Wissenschaft mit KI entwickeln kann

Stellen wir uns einmal vor, in Fortsetzung des Trends der vergangenen drei Jahre, der statistisch nachweisbar ist, würde ein immer größerer Anteil von wissenschaftlichen Publikationen von generativer künstlicher Intelligenz produziert. Da die Amalgame aus vorhandenem, im Internet zugänglichen Material nicht leicht auf ihre Quellen zurückgeführt werden können, würden diese Publikationen auch von führenden Zeitschriften zur Publikation angenommen, es gäbe Review-Artikel, ebenfalls von künstlicher Intelligenz produziert, die die jeweils zuletzt erschienenen Artikel resümieren, es gäbe Reviews von Mitgliedern des Advisory Boards, die ebenfalls nicht von diesen selbst, sondern von der künstlichen Intelligenz ihres Vertrauens produziert wurden, und am Ende hätte sich das System der wissenschaftlichen Produktivität verselbständigt, menschliche Eingriffe wären minimiert oder sogar vollständig überflüssig geworden.

Welche Folgen hätte eine solche Praxis für die Wissenschaftsentwicklung? Für mich liegt die Antwort auf der Hand: Wir würden, vielleicht zunächst unbemerkt, aber dann irgendwann immer deutlicher feststellen, dass der wissenschaftliche Fortschritt zum Erliegen gekommen ist. Wegen der großen Zahl von Textkorpora und Daten, auf denen die LLMs trainiert werden, würde es zu immer neuen Textvarianten kommen, aber nicht mehr zu einer inhaltlichen Fortentwicklung. Auch die wissenschaftliche Kreativität käme zum Erliegen.

Julian Nida-Rümelin, sueddeutsche.de, 26.08.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)