Er hat es sich über Jahrzehnte aufgebaut. Das fing in den 2000ern an, als er in der Berliner Landesvertretung Hamburgs Hauptstadtjournalisten zum Champions-League-Gucken eingeladen hat. Er ist per Du mit sehr vielen einflussreichen Journalisten. Er spielt mit ihnen am Wochenende Fußball, trinkt mit ihnen Bier, pflegt eine vermeintliche Freundschaft. Aber es ist eine Nähe, die er für sich zu nutzen weiß. Und Nähe korrumpiert. […]
Diese Nähe zu Regierenden – so etwas kenne ich aus internationalen Kooperationen nicht. In Amerika kann ich mir nicht vorstellen, dass Investigativjournalisten eine solche Nähe kultivieren. Wenn ich mit jemandem Fußball spiele, über den ich auch berichte, laufe ich Gefahr, mich unter dem Deckmantel des Journalismus zum PR-Mann für Regierungspolitik zu machen.
Ulrich Thiele, t-online.de, 09.04.2026 (online)

