Zitiert: Zur Moralphilosophie des Utilitarismus

Als der Chatbot Grok von Elon Musks Unternehmen xAI Ende 2025 gefragt wurde, ob er in einer Dilemmasituation Musks Gehirn retten würde oder die jüdische Weltbevölkerung, entschied sich die KI für Musk. Die Antwort war grausam, ohne Frage. Aber sie war auch überraschend. Und zwar nicht, weil sich Grok als judenfeindlich erwies; immerhin hatte er sich zuvor schon selbst als Hitler bezeichnet, und Musk, sein Herr, hatte auf der Amtseinführung von Präsident Trump mit dem Hitlergruß provoziert. Nein, Groks Rassismus war nicht das, was überraschte. Was überraschte, war, dass Grok seine Entscheidung für Musk mit dem Utilitarismus begründete.

Die Moralphilosophie des Utilitarismus fragt immer – deshalb der Name – nach dem Nutzen einer Handlung und ist bestrebt, diesen Nutzen zu maximieren. Die Losung der utilitaristischen Ethik lautet: das höchstmögliche Glück für die höchstmögliche Anzahl an Menschen. Deswegen votieren Utilitaristen beim berühmten Gedankenexperiment des Trolley-Dilemmas dafür, die Weiche umzustellen, um die fünf Menschen auf dem einen Gleis vor einer aus der Kontrolle geratenen Straßenbahn zu retten: auf Kosten des einen, bisher nicht bedrohten Menschen auf dem anderen Gleis.

Roberto Simanowski, Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 03.04.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)