Als der Chatbot Grok von Elon Musks Unternehmen xAI Ende 2025 gefragt wurde, ob er in einer Dilemmasituation Musks Gehirn retten würde oder die jüdische Weltbevölkerung, entschied sich die KI für Musk. Die Antwort war grausam, ohne Frage. Aber sie war auch überraschend. Und zwar nicht, weil sich Grok als judenfeindlich erwies; immerhin hatte er sich zuvor schon selbst als Hitler bezeichnet, und Musk, sein Herr, hatte auf der Amtseinführung von Präsident Trump mit dem Hitlergruß provoziert. Nein, Groks Rassismus war nicht das, was überraschte. Was überraschte, war, dass Grok seine Entscheidung für Musk mit dem Utilitarismus begründete.
Die Moralphilosophie des Utilitarismus fragt immer – deshalb der Name – nach dem Nutzen einer Handlung und ist bestrebt, diesen Nutzen zu maximieren. Die Losung der utilitaristischen Ethik lautet: das höchstmögliche Glück für die höchstmögliche Anzahl an Menschen. Deswegen votieren Utilitaristen beim berühmten Gedankenexperiment des Trolley-Dilemmas dafür, die Weiche umzustellen, um die fünf Menschen auf dem einen Gleis vor einer aus der Kontrolle geratenen Straßenbahn zu retten: auf Kosten des einen, bisher nicht bedrohten Menschen auf dem anderen Gleis.
Roberto Simanowski, Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 03.04.2026 (online)

