Zitiert: Anhäufung von KI-Animationen in Dokumentationen offenbart Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit

Kritik an den Darstellungsfehlern oder an der Eintönigkeit und Künstlichkeit des visuellen Stils geht eigentlich am Punkt vorbei. Die Animationen sind nämlich voller Anachronismen. Wirtshäuser in den amerikanischen Kolonien dieser Zeit hatten keinen langen Tresen mit Barhockern, das kam erst im 20. Jahrhundert auf. Petroleumlampen mit Glasaufsätzen gab es erst nach 1780. Und gläserne Bierkrüge oder Wurzelholzpfeifen mit auswechselbaren Mundstücken erst Mitte des 19. Jahrhunderts. […]

Die Verwendung Künstlicher Intelligenz zur Illustration von Geschichtsdokumentationen greift um sich, wie Jan Wiele vor Kurzem schon in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ feststellte, hier anhand des Films „Staatsgeheimnis RAF“ über die Verstrickung von BRD-Linksterrorismus und DDR-Staatssicherheit. Darin sind Bewegtbilder der Terroristin Silke Maier-Witt zu sehen, die nie gedreht wurden. Auch sie sind KI‑generiert. […]

Man kann all dem nun zweierlei entgegenhalten. Erstens sind falsch ausstaffierte historische Erzählungen kein KI-Phänomen; und zweitens richten sie ja keinen Schaden an. Ist das so? […]

Warum sind fehlerhafte historische Darstellungen überhaupt ein Problem? Und was ändert KI an der Sache?

Wir können die Wahrheit über vergangene geschichtliche Verhältnisse und Ereignisse nie ganz kennen, sondern uns ihr höchstens annähern, das ist richtig. Aber der Einsatz solcher KI-Videos zeugt von einer Einstellung zur Geschichte, der die Wahrheit völlig gleichgültig ist. Es soll sich halbwegs richtig anfühlen und nichts kosten; es geht um nichts als einen Vibe.

Matthias Warkus, Übermedien, 29.10.2026 (online)