Als hätte die KI einen eigenen Willen, mit dem sie sich über Grenzen hinwegsetzt. Dabei hat sie nur eine Lücke in den Netzwerkeinstellungen genutzt, während sie ihrem Auftrag folgte. […]
Von einem „Ausbruch“ zu schreiben, als handle es sich bei der KI um eine Kriminelle oder eine übereifrige Mitarbeiterin, liegt nahe. Diese Vermenschlichung, die Anthropomorphisierung, ist nicht nur ein wundervolles Stilmittel der Poesie, mit dem etwa die Natur als empfindsam, beseelt dargestellt wird, man denke nur an die großen Dichtungen der Romantik.
Sie ist auch eine Strategie, mit der Technologie begreifbar und emotional erfahrbar gemacht werden kann. Wir alle greifen darauf zurück, besonders im Journalismus.
Doch die Anthropomorphisierung hinkt. Denn die KI hat keinen Willen, keine intrinsische Motivation. Sie tut lediglich das, was man von ihr verlangt, manchmal über Umwege, die den Auftraggeber*innen nicht gefallen.
Johannes Drosdowski, taz.de, 27.09.2026 (online)

