Der Hörfunkrat des Deutschlandradios hat seine Kritik an der geplanten Programmreform des Deutschlandfunks und an der Informationspolitik des Senders erneuert. So sei der Hörfunkrat nicht in jeden Reformschritt eingebunden gewesen. Die Programmdirektion sei erst auf Initiative des Gremiums aktiv geworden, sagte die Hörfunkrats-Vorsitzende Katrin Hatzinger dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Bis heute müssen wir uns jede Information besorgen, da hat es auch kein Umdenken geben.“
Hatzinger vertritt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Hörfunkrat. Die Hörfunkratsvorsitzende bemängelte auch, dass der Deutschlandfunk zunächst keine Evaluierung für das neue Programm eingeplant habe: „Da mussten wir Anschubhilfe leisten.“ […]
Hatzinger unterstrich, der Deutschlandfunk verfüge wie kaum ein anderes Medium über eine große Stammhörerschaft. „Es besteht die Gefahr, diese zu verprellen“, warnte sie. Sei diese durch die Reform erst einmal verloren, werde es schwer, sie zurückzugewinnen. In der Programmreform fehle ihr eine Vision, wie diese Stammhörer erhalten bleiben könnten. „Das wird nicht beantwortet“, sagte sie. Die DNA des Deutschlandfunks müsse aber Priorität bei der Evaluierung haben, „damit der Deutschlandfunk nicht eine Infowelle wie viele andere wird“.
Die stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrats, Annette Leßmöllmann, die von der Hochschulrektorenkonferenz in das Gremium entsandt ist, sagte, durch die Fachsendungen gebe es derzeit eine ausgesprochene Vielfalt und Thementiefe im Programm. „Wie wird diese Vielfalt erhalten?“ Auf diese Frage habe der Hörfunkrat keine wirklich valide Antwort erhalten.
Der Sender habe bislang immer streng zwischen Tatsachen und Meinung unterschieden, sagte Leßmöllmann. Mit den Plänen, mehr Podcasts ins lineare Programm zu übernehmen, hebe man zwar ein Format ins Programm, das Hörerinnen und Hörer binden könne, aber in den lockeren Podcast-Gesprächen könnten Fakten und Meinungen verschwimmen. „Wie wird da künftig die Trennung garantiert?“, fragte Leßmöllmann.
epd medien, 23.09.2026 (online)

