Schnell produziert und suchterzeugend: KI-Mikroserien schwappen aus China in den Westen. Doch die hiesige Film- und Fernsehbranche findet eigene Antworten auf einen Trend, der das Potential birgt, sie zu begraben. […]
Laut der chinesischen Rundfunkbehörde NRTA sind allein zwischen Januar und August dieses Jahres 430.000 solcher Serien veröffentlicht worden. Dabei werden sie in 60 bis 70 Episoden perfekt portioniert. Das soll die Nutzer wieder und wieder bezahlen lassen. Möglich ist die schiere Menge dieses „Contents“ nur aus einem Grund: Künstliche Intelligenz hat mehr als 90 Prozent davon generiert. […]
Die Staatszeitung „Wen Wei Po“ berichtete von einer „Ein-Mann-Armee“ in Person eines 28 Jahre alten Hochzeitsfotografen, der die Liebesgeschichte einer Schaufensterpuppe mit einem Robotercowboy erzählt. „Zombie Scavenger“, so der Titel, soll mit einem Budget von rund 400 Euro binnen zehn Tagen produziert worden sein. Angeklickt wurde das Ganze mehr als siebzig Millionen Mal. […]
Vier der fünf der weltweit führenden KI-Bewegtbildunternehmen haben ihren Sitz in China. Und ihr Erfolg hat sich beinahe über Nacht vervielfacht. Das Marktforschungsunternehmen Data-Eye veranschlagte vergangenes Jahr den dortigen Branchenwert auf 15 Milliarden US-Dollar; fast doppelt so viel wie in Kinofilmen.
Andreas Cevatli, faz.net, 03.11.2026 (online)
