Ihre Stimmen werden ja auch nicht gehört. Es wird über Ostdeutsche statt mit Ostdeutschen gesprochen. In den Spitzenpositionen von Politik, Justiz, Wirtschaft und Wissenschaft gibt es kaum Menschen aus Ostdeutschland. Das ist kein Zufall, sondern strukturell bedingt. In einer westdeutsch geprägten Arbeitswelt fehlen Menschen, die ostdeutsch sozialisiert sind, bis heute nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern auch Zugänge zu Netzwerken und das Verständnis für soziale Codes. Auch die Medienhäuser befinden sich überwiegend in westdeutscher Hand. Ostdeutsche werden in den Medien oft mit irgendeiner Art ‚sächsischem‘ Dialekt als rückständig und dümmlich inszeniert.
Bei Menschen, die das Gefühl haben, wie Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden, haben Demagogen wie Höcke ein leichteres Spiel, denn sie bieten ein Gefühl von Stolz an
Ramona Wuttig, berliner-zeitung.de, 18.09.2026 (online)

