Dass sich Intendant*innen der ARD Druck von außen beugen, ist heute noch vorstellbar. Aber nicht, dass der Protest gegen das Einknicken direkt im Programm zur Sprache kommt.
René Martens, taz.de, 04.06.2021 (online)
Mein erster Kritikpunkt ist, dass unsere Gesellschaft begreifen muss, wie wichtig für unsere Demokratie, gerade wenn wir in die USA und nach Großbritannien schauen, ein gemeinwohlorientierter, kritischer und unabhängiger, digitaler, diverser ÖRR ist. Wir dürfen die Kritik daran nicht dem rechten Spektrum…
Dass sich Intendant*innen der ARD Druck von außen beugen, ist heute noch vorstellbar. Aber nicht, dass der Protest gegen das Einknicken direkt im Programm zur Sprache kommt.
René Martens, taz.de, 04.06.2021 (online)
Kritik ist eine Grundfeste der demokratischen Ordnung. Ohne Kritik keine Debatte, und ohne Debatte keine Wissenschaft. Allerdings macht sich an der Differenziertheit der Argumente die Intention des Kritikers fest. Ist das Ziel Bekehrung (also Überzeugung vom eigenen Argument) oder Aufklärung (also Anhalten…
Worüber Kritiker von ARD und ZDF aber selten reden: Was läuft beispielsweise in den Politik- und Auslandsmagazinen gut, was ließe sich verbessern? Wie hat sich die Kulturberichterstattung entwickelt? Was tut sich in den Reportageformaten? Eine systematische Programmbeobachtung, die über Talkshow- und Tatort-Kritiken hinausgeht, findet kaum noch statt. Das gilt natürlich erst recht für den Hörfunk, der in Grundsatzdebatten über das öffentlich-rechtliche System allenfalls am Rande vorkommt.
René Martens, zeit.de, 06.03.2018 (online)
Das öffentliche Gespräch gleicht weder einem Seminar noch Salongeplauder. Es lebt nicht allein von Fakten und Argumenten, sondern auch von repräsentativen Auftritten. Positionen werden markiert, Gegner attackiert, verspottet, kritisiert. Wer das abschaffen will, schafft die öffentliche Debatte ab – und erzeugt Stickluft oder Belanglosigkeit. Tellkamp verlangte Respekt, aber Wertung, Spott, Widerspruch, Angriff, Prüfung der Fakten sind die Formen, in denen öffentlich Respekt erwiesen wird.
Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung, 10.03.2018 (online)