Zitiert: Die VerTikTokisierung der ARD

Aber wohin führt die VerTikTokisierung der ARD? Wird das Klassik-Publikum so wirklich erweitert? Wohl kaum. Der Weg von einem Louis-Philippson-Konzert führt selten zu einem Aimard-Abend mit Schönberg-Miniaturen, sondern eher zur Candlelight-Klassik oder zu großen Filmmusikabenden. Und plötzlich ist der Schritt zu Helene Fischer kürzer als der in die Dortmunder Oper.

Die Programmmacher wollen derweil die Sprache der sozialen Medien übernehmen und so automatisch deren junges Publikum. Doch der Denkfehler liegt darin, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausgerechnet jene Medien kopiert, gegen die er im Wettbewerb um Aufmerksamkeit kaum gewinnen kann. Die Kopie ist immer schlechter als das Original. Es fehlt den meisten Sendern einfach an Netz-Credibility. Die Gefahr der Anbiederung ist groß. Vor allen Dingen aber verliert der öffentlich-rechtliche Rundfunk so seinen Markenkern: Zeit, Tiefe und Expertise.

Axel Brüggemann, 06.10.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)