Aber wohin führt die VerTikTokisierung der ARD? Wird das Klassik-Publikum so wirklich erweitert? Wohl kaum. Der Weg von einem Louis-Philippson-Konzert führt selten zu einem Aimard-Abend mit Schönberg-Miniaturen, sondern eher zur Candlelight-Klassik oder zu großen Filmmusikabenden. Und plötzlich ist der Schritt zu Helene Fischer kürzer als der in die Dortmunder Oper.
Die Programmmacher wollen derweil die Sprache der sozialen Medien übernehmen und so automatisch deren junges Publikum. Doch der Denkfehler liegt darin, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausgerechnet jene Medien kopiert, gegen die er im Wettbewerb um Aufmerksamkeit kaum gewinnen kann. Die Kopie ist immer schlechter als das Original. Es fehlt den meisten Sendern einfach an Netz-Credibility. Die Gefahr der Anbiederung ist groß. Vor allen Dingen aber verliert der öffentlich-rechtliche Rundfunk so seinen Markenkern: Zeit, Tiefe und Expertise.
Axel Brüggemann, 06.10.2026 (online)

