Das Ende des Arznei-Telegramms ist wirklich nicht das, was ich wollte, und unser Redaktionsteam auch nicht. Aber leider habe ich es nicht geschafft, einen Nachfolger zu finden. Also musste ich die Reißleine ziehen. Sonst wäre ich mit über 80 immer noch hier, ich bin jetzt 77. […]
Ich glaube, in dieser von vielen Unwägbarkeiten geprägten Zeit zögern Kollegen, die Verantwortung für eine pharmaunabhängige Zeitschrift zu übernehmen, auch finanziell. Wir finanzieren uns ja werbefrei, ausschließlich über Abonnements. […]
Die Pharmaindustrie ist wie eh und je vorrangig am Umsatz interessiert. Deshalb hat sie immer einen Zielkonflikt, wenn es darum geht, Nutzen und Risiken realistisch darzustellen. Es geht ihr letztlich vorrangig darum, dass der Umsatz nicht einbricht. […]
Es gibt natürlich manche Arzneimittel, die neu und wichtig sind und den Patienten großen Nutzen bringen. Aber leider gibt es auch eine Vielzahl neuer Arzneimittel, die im besten Fall überflüssig sind und im schlimmsten Fall sogar gefährlich. Bei solchen Produkten dominiert der Wunsch der Firmen nach Umsatz, auch zum Schaden von Patienten.
Wolfgang Becker-Brüser, sueddeutsche.de, 05.10.2026 (online)

